Evangelische Schulstiftung Hamburg e.V.

Die Welt, erschienen am 15.03.2006

Privatschulen weiter im Aufwind: Zwei neue Angebote starten im Sommer
Das Konzept ist ein Erfolg: Seit diesem Schuljahr besuchen 22 Erstkläßler Hamburgs erste private “Schule unterm Kirchturm” in Hamm. Nun findet das Modell Nachahmer in anderen Teilen Hamburgs. In Eppendorf und Groß Flottbek gehen im Sommer zwei weitere “Schulen unterm Kirchturm” an den Start. In Eppendorf nutzt die St. Nicolai-Gemeinde ein leerstehendes Schulgebäude an der Robert-Koch-Straße, das frisch renoviert wird und 48 Kinder in zwei Klassen aufnehmen soll. In Groß Flottbek wird das Gemeindehaus der Bugenhagenkirche für 24 Erstkläßler umgebaut. Der Andrang ist gewaltig: Für die 48 Plätze in Eppendorf lagen mehr als 100 Anmeldungen vor. Entscheiden mußte schließlich das Los.
Pläne für zwei weitere evangelische Grundschulen in Altona und Wilhelmsburg würden derzeit sondiert, sagt Projektleiterin Annika Woydack von der Evangelischen Schulstiftung Hamburg e.V. “Es sieht so aus, als ob dies etwas werden könnte.”
Damit ist der Boom der Privatschulen ungebrochen: In den vergangenen zehn Jahren stieg die Zahl Hamburger Kinder, die eine Schule in freier Trägerschaft besuchen, um mehr als 20 Prozent. Der bisherige Rekordstand mit gegenwärtig 17 186 Schüler an den allgemeinbildenden Privatschulen dürfte durch die beiden Schulneugründungen demnächst sogar noch einmal übertroffen werden.
Grund für den besonderen Erfolg der konfessionell gebundenen Schulen ist die Wertevermittlung, die dort geleistet wird, glaubt Projektleiterin Woydack. “Glaube wird bei uns nicht als Dogma verstanden, aber die Lehrer leben den Kindern ihren Glauben vor.” Mit regelmäßigen Andachten und einem engen Kontakt zur Kirchengemeinde setzten die “Schulen unterm Kirchturm” Orientierungspunkte – und dies werde immer mehr Eltern wichtig. Zudem seien die Grundschulen mit ihrem Ganztagskonzept, der Integration behinderter Kinder und dem jahrgangs- und fächerübergreifenden Unterricht attraktiv, so Woydack. Schließlich sei der Ansturm auf die Privatschulen auch Ausdruck von Mißtrauen gegenüber dem öffentlichen Schulwesen.
Ausgesprochen gefragt sind ebenfalls die 21 katholischen Schulen der Hansestadt, die in den vergangenen Jahren vielfach dreizügig ausgebaut wurden. In den vergangenen zehn Jahren stieg die Zahl ihrer Schüler von 8500 auf jetzt 9562 an. Sie sind jedoch an den Grenzen ihrer Kapazitäten angekommen. Für die Investition in neue Schulen fehlen der katholischen Kirche die Mittel.
Die Bildungsbehörde begrüßt den Boom der Privatschulen. “Sie bilden eine gesunde Konkurrenz zu den staatlichen Schulen und schaffen Vergleichsmöglichkeiten für Schüler und Lehrer”, so Behördensprecher Alexander Luckow. inga

RSS 2.0   XHTML   Powered by WordPress