Hamburger Abendblatt, erschienen 29. Dezember 2004
Erste Schule unterm Kirchturm
Bildung: Die Pauluskirchen-Gemeinde in Hamm startet im Sommer eine eigene Grundschule.
Kirche, Kita und Schule – das soll in der Hammer Pauluskirchen-Gemeinde vom Sommer an zusammengehören. Im August wird der Unterricht für die ersten 22 Kinder in der neugegründeten evangelischen Grundschule beginnen. “Wir verstehen das als lebensbegleitende Arbeit der Kirche. Bislang riß der Kontakt zu den Kindern am Ende der Kita-Zeit ab”, sagt Pastor Matthias Lobe. Die Gemeinde hat mit dem Schulprojekt auch aus der Not eine Tugend gemacht. “Wir müssen sparen und hatten ein Gemeindehaus zuviel. Mit der Schule können wir das Gebäude nun sinnvoll weiternutzen”, sagt Lobe. Die Alternative wäre möglicherweise Abriss und der Bau von Wohnungen gewesen.
Die Schule in der Hammer Kirchengemeinde ist das Pilotprojekt für die Idee “Schule unterm Kirchturm”. Vor fünf Jahren haben Lobe und seine Mitstreiter den Verein Evangelische Schulstiftung Hamburg gegründet. “Neben der Diakonie war Bildung immer schon ein Thema der Kirche”, sagt Lobe. In Hamburg habe sich jedoch die evangelische Kirche anders als die katholische mit eigenen Schulen stark zurückgehalten. Bisher existieren nur die Wichernschule in Horn und die Bugenhagen-Schulen in Alsterdorf.
“Es gibt eine große Nachfrage nach einem erweiterten Schulangebot der evangelischen Kirche”, sagt Lobe. Einige Gemeinden seien “sehr interessiert”, dem Beispiel der Hammer Kirche schon 2006 zu folgen. Am weitesten ist ein Projekt im Westen Hamburgs gediehen.
Die Schulstiftung hat sich organisatorisch mit den Bugenhagen-Schulen zusammengetan, die bereits seit 15 Jahren über Erfahrungen mit gemeindenahen Grundschulen verfügt.
Auch konzeptionell ähnelt die “Schule unterm Kirchturm” dem Alsterdorfer Schulprojekt. “Wir wollen eine integrative Ganztagsschule sein. Die Schule ist offen für Kirchenmitglieder, Angehörige anderer Konfessionen und Konfessionslose”, erläutert Lobe. Zwar soll die Schule nicht “christlich im engeren Sinne” sein, aber die Religion wird fester Bestandteil des Unterrichts sein. Darüber hinaus wird die Schule reformpädagogisch arbeiten. Dazu zählen altersgemischte Gruppen und ein individuelles Lerntempo (Grundschulzeit von zwei bis fünf Jahre).
Die Pauluskirchen-Schule ist organisatorisch eine Filiale der Bugenhagen-Schulen. Der Unterricht dauert von 8 bis 15.30 Uhr (freitags bis 14 Uhr). Eine Betreuung bis 17.30 Uhr wird angeboten. Eltern müssen für ihre Kinder ein Schulgeld von 120 Euro monatlich bezahlen. Die Höhe orientiert sich an den Kosten für eine Hortbetreuung.
Jetzt sucht die Pauluskirchen-Gemeinde noch zwei Lehrer für den Start des Unterrichts. “Wir werden die Stellen Anfang Januar ausschreiben”, sagt Gemeindepastor Lobe. pum