- Die Welt, vom 15.03.2006
- Hamburger Abendblatt, vom 22.11. 2005
- epd, vom 25.08.2005
- Die Welt, vom 29.07.2005
- Morgenpost, vom 25.02.2005
- Hamburger Abendblatt, vom 29.12. 2004
- Die Nordelbische, vom 26.12.2004
- Hamburger Abendblatt, vom 15.12.2004
- Bild-Zeitung, vom 15.12. 2004
- Die Welt, vom 15.12.2004
- NDR 90,3, vom 14.12.2004
Privatschulen weiter im Aufwind: Zwei neue Angebote starten im Sommer
Das Konzept ist ein Erfolg: Seit diesem Schuljahr besuchen 22 Erstkläßler Hamburgs erste private “Schule unterm Kirchturm” in Hamm. Nun findet das Modell Nachahmer in anderen Teilen Hamburgs. In Eppendorf und Groß Flottbek gehen im Sommer zwei weitere “Schulen unterm Kirchturm” an den Start. In Eppendorf nutzt die St. Nicolai-Gemeinde ein leerstehendes Schulgebäude an der Robert-Koch-Straße, das frisch renoviert wird und 48 Kinder in zwei Klassen aufnehmen soll. In Groß Flottbek wird das Gemeindehaus der Bugenhagenkirche für 24 Erstkläßler umgebaut. Der Andrang ist gewaltig: Für die 48 Plätze in Eppendorf lagen mehr als 100 Anmeldungen vor. Entscheiden mußte schließlich das Los.
Pläne für zwei weitere evangelische Grundschulen in Altona und Wilhelmsburg würden derzeit sondiert, sagt Projektleiterin Annika Woydack von der Evangelischen Schulstiftung Hamburg e.V. “Es sieht so aus, als ob dies etwas werden könnte.”
Damit ist der Boom der Privatschulen ungebrochen: In den vergangenen zehn Jahren stieg die Zahl Hamburger Kinder, die eine Schule in freier Trägerschaft besuchen, um mehr als 20 Prozent. Der bisherige Rekordstand mit gegenwärtig 17 186 Schüler an den allgemeinbildenden Privatschulen dürfte durch die beiden Schulneugründungen demnächst sogar noch einmal übertroffen werden.
Grund für den besonderen Erfolg der konfessionell gebundenen Schulen ist die Wertevermittlung, die dort geleistet wird, glaubt Projektleiterin Woydack. “Glaube wird bei uns nicht als Dogma verstanden, aber die Lehrer leben den Kindern ihren Glauben vor.” Mit regelmäßigen Andachten und einem engen Kontakt zur Kirchengemeinde setzten die “Schulen unterm Kirchturm” Orientierungspunkte – und dies werde immer mehr Eltern wichtig. Zudem seien die Grundschulen mit ihrem Ganztagskonzept, der Integration behinderter Kinder und dem jahrgangs- und fächerübergreifenden Unterricht attraktiv, so Woydack. Schließlich sei der Ansturm auf die Privatschulen auch Ausdruck von Mißtrauen gegenüber dem öffentlichen Schulwesen.
Ausgesprochen gefragt sind ebenfalls die 21 katholischen Schulen der Hansestadt, die in den vergangenen Jahren vielfach dreizügig ausgebaut wurden. In den vergangenen zehn Jahren stieg die Zahl ihrer Schüler von 8500 auf jetzt 9562 an. Sie sind jedoch an den Grenzen ihrer Kapazitäten angekommen. Für die Investition in neue Schulen fehlen der katholischen Kirche die Mittel.
Die Bildungsbehörde begrüßt den Boom der Privatschulen. “Sie bilden eine gesunde Konkurrenz zu den staatlichen Schulen und schaffen Vergleichsmöglichkeiten für Schüler und Lehrer”, so Behördensprecher Alexander Luckow. inga
Eine Kirchengemeinde macht Schule
In der Pauluskirche in Hamm startete die erste evangelische Grundschule “unterm Kirchturm”.
Von ANN-BRITT PETERSEN
Ihr Klassenraum liegt direkt im Gemeindehaus der Pauluskirche in Hamburg-Hamm. Seit August besuchen 22 Grundschüler die erste “Schule unterm Kirchturm”.
Die neu gegründete evangelische Grundschule will neben den üblichen Fächern christliche und soziale Werte vermitteln. “Wir wollen mehr als nur eine Schule sein”, erklärt Pastor Matthias Lobe. Er ist Vorsitzender der Ev. Schulstiftung Hamburg. In dem Verein setzen sich Eltern und Kirchenvertreter seit sechs Jahren für die Schulgründung ein. Schulträger ist als Kooperationspartner des Vereins die Stiftung Alsterdorf.
Unterrichtet wird in altersgemischten und integrativen Lerngruppen. “So können die Kleinen von den Großen lernen, Kinder mit Lernschwächen werden von den anderen motiviert”, sagt Pastorin Annika Woydack, Projektleiterin der Paulusschule. Der pädagogische Ansatz entspricht auch dem christlichen Weltbild: “Unterschiede sind normal, jeder Mensch ist einzigartig”, so Woydack. Im Pflichtfach Religion geht es ebenfalls um das soziale Lernen, etwa um das Ausdrücken von Gefühlen. Aber auch um das Thema Religion. “Viele waren noch nie in der Kirche, manche haben auch eine andere Religionszugehörigkeit”, sagt Lehrerin Bianca Scholz. Unterrichtet und betreut werden die Kinder von der Grundschullehrerin sowie von einer Sonderschullehrerin und einer Erzieherin. Der in drei Blöcke geteilte Unterricht beginnt um acht Uhr und dauert bis zum Nachmittag. Darüberhinaus können die Kinder noch bis 17 Uhr in der Schule betreut werden.
Die Schule hat ihren Preis. 120 Euro Schulgeld zahlen die Eltern im Monat, 50 Euro kommen monatlich fürs Essen hinzu. “Wir wollen aber keine Schule für Privilegierte sein, deshalb gibt es in Härtefällen auch Schulgelderlaß”, so Pastorin Woydack.
Die Nachfrage ist hoch. Im kommenden Jahr wird eine neue Klasse eingerichtet. Auch in anderen Stadtteilen sollen “Schulen unterm Kirchturm” entstehen. So ist eine Grundschule in Groß Flottbek geplant.