Evangelische Schulstiftung Hamburg e.V.

Evangelische Grundschule Bugenhagen – Groß Flottbek

Aktuelle Informationen zu diesem Schulstandort erhalten Sie unter www.bugi.de.

Die Welt, erschienen 29.Juli 2005

Privatschulen boomen wie nie zuvor

Zwei neue Schulen öffnen jetzt ihre Tore – Acht weitere Gründungen sind beantragt – “Konkurrenz willkommen”

von INSA GALL und OLIVER SCHIRG

Privatschulen boomen derzeit in Hamburg wie nie. Zum Start des neuen Schuljahrs allein öffnen in den kommenden Wochen zwei neue Schulen ihre Tore. Zwei weitere Schulgründungen sind geplant. Bei der Bildungsbehörde liegen darüber hinaus derzeit noch einmal acht Anträge von Trägern vor, die neue Schulen eröffnen möchten. Jeweils vier sind allgemeinbildende und berufsbildende Schulen. “Das ist mehr als üblich”, sagt Alexander Luckow, Sprecher der Bildungsbehörde. Diese begrüßt die wachsende Zahl von Privatschulen in Hamburg als “gesunde Konkurrenz zum staatlichen Schulsystem”, wie Luckow formuliert. Bei der Pisa-Studie hätten diejenigen Länder besonders gut abgeschnitten, die über einen hohen Privatschulanteil verfügen.
In Hamm geht Hamburgs erste “Schule unterm Kirchturm” am 18. August an den Start. 22 Kinder werden an der “Evangelischen Grundschule Pauluskirche am Quellenweg” von zwei Lehrerinnen und einer Erzieherin betreut. Die Schüler sollen in heterogenen, altersgemischten Lerngruppen Lesen und Schreiben lernen, erklärt Pastor Matthias Lobe. Die “Schule unterm Kirchturm” halte sich zwar an die vorgegebenen Rahmenpläne. Allerdings werde neben Religion die sogenannte Schlüsselqualifikation “Literacy” verbindlich sein. Über 20 Prozent der Kinder stammten aus sozial schwächeren Familien. Sie müssen das monatliche Schulgeld von 120 Euro nicht bezahlen. Die neue Schule erfreut sich guten Zulaufs: Anmeldungen gibt es schon jetzt für das kommende Jahr. Nachfolgeprojekte sind bereits geplant. Die Gemeinde in Groß-Flottbek will vermutlich 2006 eine “Schule unterm Kirchturm” eröffnen. Auch andere Gemeinden hätten sich gemeldet und prüften, ob eine Schule in ihrem Bereich machbar und sinnvoll sei. Nicht selten gehe die Initiative für eine “Schule unterm Kirchturm” von Eltern aus, so Lobe.
Einen gewaltigen Ansturm hatten auch die privaten Brecht-Schulen zu verzeichnen, die am 15. August in St. Georg die bundesweit erste Ganztagsgrundschule für hochbegabte Kinder eröffnet. Rund 150 Eltern bewarben sich um einen der Plätze, 40 Kinder wurden ausgewählt. Als integrative Grundschule steht die Einrichtung auch normalbegabten Schülern offen. Die Kinder werden in den Nebenfächern gemeinsam, in den Hauptfächern nach Leistung differenziert unterrichtet. Die Eltern müssen ein monatliches Schulgeld von 250 Euro bezahlen. Über eine Neugründung denken auch die Rudolf-Steiner-Schulen in Hamburg nach. Die sechs allgemeinbildenden Waldorf-Schulen in Hamburg verzeichnen seit langem gut doppelt so viele Anmeldungen, wie sie Schüler aufnehmen können.
Der Trend hin zu den Privatschulen ist in der Hansestadt bereits seit einigen Jahren zu beobachten. Seit 1996 ist die Zahl der Privatschüler in der Hansestadt kontinuierlich von 14.200 auf 16.400 angestiegen. Dabei war das Wachstum der Privatschulen lange Zeit durch deren unzureichende staatliche Finanzierung gedämpft worden. Seit der Senat Ende 2003 beschloß, die Zuschüsse für die Privatschulen stufenweise auf 70 Prozent anzuheben, haben die Schulträger endlich die ersehnte Planungssicherheit.

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