Evangelische Schulstiftung Hamburg e.V.

Hamburger Abendblatt, erschienen 15. Dezember 2004

Schule unterm Kirchturm

Die Evangelische Schulstiftung und die Alsterdorfer Bugenhagen-Schulen werden im nächsten Jahr evangelische Privatschulen in Gemeinden einrichten. Motto: “Schule unterm Kirchturm”. Der Verein wurde 1999 mit dem Ziel gegründet, gemeindenahe Grundschulen besonderer Prägung zu entwickeln. Der Vorsitzende, Dr. Matthias Lobe, kann in seiner eigenen Gemeinde in Hamm im August 2005 die erste Schule eröffnen. Die Bugenhagen- Schulen sind dabei Träger der Einrichtungen. “Die Nachfrage ist groß”, sagte Hartmut Wahl, Leiter der Bugenhagen-Schulen. reba

Bild-Zeitung, erschienen 15. Dezember 2004

Diese Kirche wird eine Schule

Zur Pause läuten die Glocken

Von Simone Selonke und Wolfram Hammer

Kirchenglocken läuten zum Unterricht. Die Pauluskirche in Hamm wird zur privaten evangelischen Grundschule. Im Gemeindesaal lernen und beten im kommenden Schuljahr bis zu 88 Kinder. 120 Euro Schulgeld kostet das monatlich.

Nach zwei bestehenden Schulen mit evangelischen Leitsätzen – der Wichern-Schule und den Bugenhagen-Schulen – stehen die Schulbänke jetzt direkt bei den Altären. Die “Schulen unterm Kirchturm” sind ein Projekt der “Evangelischen Schulstiftung Hamburg” und den Bugenhagen-Schulen der “Evangelischen Stiftung Alsterdorf”.

Privatschulen liegen im Trend. “Für 66 Plätze hatten wir 170 Anmeldungen”, sagt Hartmut Wahl, Leiter der Bugenhagen-Schulen.

Zudem bringt das Projekt finanzielle Vorteile – für Stadt und Gemeinden.
Beispiel Hamm:
“Allein die Bewirtschaftung der Gebäude kostet die Kirche rund 20 000 Euro im Jahr”, sagt der Gemeindepastor Matthias Lobe, der auch die “Evangelische Schulstiftung Hamburg” leitet. Als Schule finanziert die Stadt die teuren Häuser mit.

Für Hamburg trotzdem kein Verlust: Private Schulen erhalten nur 70 Prozent dessen, was eine staatliche kostet. Nächstes Jahr sind das 4200 statt 6000 Euro pro Schüler. So ist jeder private Platz eine Konkurrenz für staatliche Schulen. Alexander Luckow von der Schulbehörde: “Dafür können wir Geld an staatlichen Schulen einsparen, die weniger Schüler haben”.

Die Welt, erschienen 15. Dezember 2004

Hamburgs erste “Schule unterm Kirchturm” startet

Evangelische Grundschule Pauluskirche beginnt mit 22 Erstklässlern – Alternative zum staatlichen Schulbetrieb

von Oliver Schirg

Die evangelisch-lutherische Kirche wird zum Start des kommenden Schuljahres im Hamburger Stadtteil Hamm ihre erste “Schule unterm Kirchturm” eröffnen. Vom August 2005 an würden 22 Erstkläßler die “Evangelische Grundschule Pauluskirche” am Quellenweg besuchen, sagte Pastor Matthias Lobe am Dienstag. Die 1999 gegründete Evangelische Schulstiftung wolle zusammen mit den Alsterdorfer Bugenhagen-Schulen eine “wohnortnahe Alternative zum staatlichen Schulbetrieb” schaffen. Weitere derartige Schulen sollen folgen.

Wesentliches Merkmal der neuen Schule seien die heterogenen, altersgemischten Lerngruppen, sagte Hartmut Wahl, Schulleiter der Alsterdorfer Bugenhagen-Schulen. In diesen Gruppen könnten sich die Kinder trotz unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Lerninhalte gegenseitig unterstützen. Darüber hinaus werde jeder Schüler eine “möglichst individuelle Förderung” erhalten. Gelernt werde nicht nur frontal, sondern in Projekten und offenen Unterrichtsformen. “Jedes Kind soll dabei seine eigene, eigenständige Arbeits- und Lernweise entwickeln können”, sagte Wahl.

Zwar orientiere sich der Unterricht an vorgegebenen Rahmenplänen für eine Hamburger Grundschule, heißt es in der Konzeption. Allerdings werde neben Religion die “Schlüsselqualifikation Literacy” verbindlich sein. “Das Schreiben und Lesen eigener Geschichten, lesen aus Büchern, vorlesen und zuhören, jeglicher Umgang mit Sprache ist eine ungemein wichtige Kompetenz, auf deren Erwerb großer Wert gelegt werden soll.” Zudem verfolgen die Schulgründer einen integrativen Ansatz. “Das Angebot wendet sich in gleicher Weise an Kinder mit und ohne Behinderungen”, sagte Wahl.

Mitlernen dürften alle Kinder des jeweiligen Stadtteils. Die evangelische Privatschule stehe auch Kindern aus Familien anderer Konfessionen oder aus einem konfessionslosen Elternhaus offen. “Voraussetzung für eine Anmeldung ist lediglich, daß die Kinder an allen gemeinsamen Aktivitäten, auch dem evangelischen Religionsunterricht, teilnehmen”, sagte Lobe. Wie die Bugenhagen-Schulen werde auch die neue Einrichtung eine Ganztagsschule sein. Der Besuch der Privatschule ist allerdings nicht kostenlos. “Das monatliche Schulgeld beträgt 120 Euro”, sagte Wahl. Kinder aus sozial schwachen Elternhäusern werde das Schulgeld jedoch erlassen. In den Bugenhagen-Schulen betreffe das rund 20 Prozent der Schüler. Für das Mittagessen fielen noch einmal 46 Euro an. Die für den Unterricht notwendigen Lehrbücher würden von der Schule angeschafft. “Die Eltern müßten lediglich die Verbrauchsmaterialen wie Hefte oder Stifte bezahlen.”

Markus Schreiber, Bezirksamtsleiter von Hamburg-Mitte, begrüßte das neue Schulprojekt. Während die Bildungsbehörde in der näheren Umgebung Grund- und integrierte Schulen schließe, übernehme hier die Kirche staatliche Aufgaben. Er glaube an die Perspektive des Stadtteils. Durch die Zusammenlegung kleinerer Wohnungen entstehe Wohnraum, in den junge Familien mit Kindern ziehen würden.

Nach den Worten von Karl-Günther Petters, Probst im Kirchenkreis Alt-Hamburg, “muß Kirche auch ein angemessenes Angebot an Bildung” unterbreiten. Zugleich profitiere die Kirchengemeinde. Eine Schule sei eine “ideale Nutzung von Kirchengebäuden”. Interessierte können sich morgen, dem 16. Dezember, 20 Uhr, im Gemeindehaus Pauluskirche, Quellenweg, über das Projekt informieren.

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