Evangelische Schulstiftung Hamburg e.V.

Morgenpost, erschienen 25. Februar 2005

Hilfe! Unsere Privatschule platzt aus allen Nähten!

SANDRA SCHÄFER

Bugenhagen-Schule will Räume der staatlichen Konkurrenz mieten

Hamburgs Privatschulen haben einen riesigen Zulauf. Während immer mehr staatliche Schulen ausbluten und um ihr Überleben kämpfen, wachsen die Wartelisten bei den Konfessionsschulen und Waldorfhäusern. In diesem Jahr erreicht die Entwicklung einen Höhepunkt. Drei neue Privatschulen starten zum Sommer: die Brecht-Schule (Norderstraße), eine evangelische Schule an der Hammer Kirche und eine Wichernschule in der City.

Besonders kurios ist die Lage in Alsterdorf: An der evangelischen Bugenhagen-Schule bewarben sich auf die 66 Grundschulplätze in diesem Jahr 170 Familien. Quer über die Straße liegt die Grundschule Sengelmannstraße. Sie soll geschlossen werden. Begründung der Schulbehörde: Es gibt zu wenig Kinder in diesem Einzugsgebiet. Nun kämpft die Schule um jede Anmeldung, um die Schließung abzuwenden. Hartmut Wahl, Leiter der Bugenhagen-Schule: “Wenn die Sengelmannstraße schließt, wollen wir dort Räume mieten.”

Doch wieso ist die Bugenhagen-Schule trotz eines Schulgelds von 120 Euro monatlich so begehrt? “Wir sind eine Ganztagsschule, haben Integrationsklassen und bieten Ferienbetreuung für unsere Kinder an”, sagt Wahl. Mutter Patricia von Massenbach: “Meine Tochter Hanna-Luise geht auf die Bugenhagen-Schule, weil uns der evangelische Aspekt sehr wichtig war, und auch die Integrationsarbeit.”

Seit fast zehn Jahren steigt die Zahl der Privatschüler in Hamburg kontinuierlich, aber unspektakulär an, von 14200 auf 16500. Damit geht etwa jeder zehnte Schüler auf eine der 44 Hamburger Privatschulen. Eine Neugründungswelle wie in diesem Jahr gab es lange nicht. Mit ihrem Konzept “Schulen unterm Kirchturm” will etwa die evangelische Kirche neue Häuser gründen. Die meisten Jungen und Mädchen besuchen bisher katholische Privatschulen. Sie machen mit 9300 Schülern fast zwei Drittel aller Privatschüler aus. 2000 Jungen und Mädchen gehen auf evangelische Schulen und 3200 sind auf Waldorfschulen. An den katholischen Schulen müssen Eltern nichts bezahlen, bei den anderen liegt das Schulgeld zwischen 40 und 300 Euro.

Oasen der Glücks sind Privatschulen aber nicht. Auch sie bekommen die Kürzungen der Behörde zu spüren. Viele planen, Gebühren für Lernmittel und Vorschule einzuführen.

650 Jungen und Mädchen gehen auf die Bugenhagen-Schule (Alsterdorf). Auf die 66 Plätze in der ersten Klasse bewerben sich 170 Familien

Die Grundschule Sengelmannstraße soll geschlossen werden – wenn sich nicht 54 Erstklässler anmelden

Hamburger Abendblatt, erschienen 29. Dezember 2004

Erste Schule unterm Kirchturm
Bildung: Die Pauluskirchen-Gemeinde in Hamm startet im Sommer eine eigene Grundschule.

Kirche, Kita und Schule – das soll in der Hammer Pauluskirchen-Gemeinde vom Sommer an zusammengehören. Im August wird der Unterricht für die ersten 22 Kinder in der neugegründeten evangelischen Grundschule beginnen. “Wir verstehen das als lebensbegleitende Arbeit der Kirche. Bislang riß der Kontakt zu den Kindern am Ende der Kita-Zeit ab”, sagt Pastor Matthias Lobe. Die Gemeinde hat mit dem Schulprojekt auch aus der Not eine Tugend gemacht. “Wir müssen sparen und hatten ein Gemeindehaus zuviel. Mit der Schule können wir das Gebäude nun sinnvoll weiternutzen”, sagt Lobe. Die Alternative wäre möglicherweise Abriss und der Bau von Wohnungen gewesen.

Die Schule in der Hammer Kirchengemeinde ist das Pilotprojekt für die Idee “Schule unterm Kirchturm”. Vor fünf Jahren haben Lobe und seine Mitstreiter den Verein Evangelische Schulstiftung Hamburg gegründet. “Neben der Diakonie war Bildung immer schon ein Thema der Kirche”, sagt Lobe. In Hamburg habe sich jedoch die evangelische Kirche anders als die katholische mit eigenen Schulen stark zurückgehalten. Bisher existieren nur die Wichernschule in Horn und die Bugenhagen-Schulen in Alsterdorf.

“Es gibt eine große Nachfrage nach einem erweiterten Schulangebot der evangelischen Kirche”, sagt Lobe. Einige Gemeinden seien “sehr interessiert”, dem Beispiel der Hammer Kirche schon 2006 zu folgen. Am weitesten ist ein Projekt im Westen Hamburgs gediehen.

Die Schulstiftung hat sich organisatorisch mit den Bugenhagen-Schulen zusammengetan, die bereits seit 15 Jahren über Erfahrungen mit gemeindenahen Grundschulen verfügt.

Auch konzeptionell ähnelt die “Schule unterm Kirchturm” dem Alsterdorfer Schulprojekt. “Wir wollen eine integrative Ganztagsschule sein. Die Schule ist offen für Kirchenmitglieder, Angehörige anderer Konfessionen und Konfessionslose”, erläutert Lobe. Zwar soll die Schule nicht “christlich im engeren Sinne” sein, aber die Religion wird fester Bestandteil des Unterrichts sein. Darüber hinaus wird die Schule reformpädagogisch arbeiten. Dazu zählen altersgemischte Gruppen und ein individuelles Lerntempo (Grundschulzeit von zwei bis fünf Jahre).

Die Pauluskirchen-Schule ist organisatorisch eine Filiale der Bugenhagen-Schulen. Der Unterricht dauert von 8 bis 15.30 Uhr (freitags bis 14 Uhr). Eine Betreuung bis 17.30 Uhr wird angeboten. Eltern müssen für ihre Kinder ein Schulgeld von 120 Euro monatlich bezahlen. Die Höhe orientiert sich an den Kosten für eine Hortbetreuung.

Jetzt sucht die Pauluskirchen-Gemeinde noch zwei Lehrer für den Start des Unterrichts. “Wir werden die Stellen Anfang Januar ausschreiben”, sagt Gemeindepastor Lobe. pum

Die Nordelbische – Nr. 52/53, erschienen 26. Dezember 2004

Schule unterm Kirchturm
Bildung: Die Pauluskirchen-Gemeinde in Hamm startet im Sommer eine eigene Grundschule.

Hamburg – Nach dem pädagogischen Konzept der Bugenhagen-Schulen in Alsterdorf wird demnächst im Gemeindehaus der Pauluskirche in Hamm eine “Schule unterm Kirchturm” eingerichtet. Der Verein Evangelische Schulstiftung Hamburg will künftig in einigen Stadtteilen “eine Alternative zum staatlichen Schulbetrieb” anbieten. Der Verein wurde vor fünf Jahren gegründet und hat in Zusammenarbeit mit der Bugenhagen-Schule ein Konzept entwickelt, das auf christlichen und reformpädagogischen Ansätzen basiert. Vorsitzender ist Pastor Matthias Lobe von der Pauluskirche.

22 Schüler werden von August an im Quellenweg unterrichtet. “Unsere (Privat)Schule wird nicht nur Lernort, sondern auch Lebensraum sein, in dem Gemeinschaft und religiöse Erfahrung eine große Rolle spielen”, betont Matthias Lobe. In altersgemischten Gruppen werden die Kinder zwar Unterschiedliches lernen, aber trotzdem eine Gemeinschaft bilden. Träger der Ganztagsschule sind die Bugenhagen-Schulen mit ihrer 15-jährigen Erfahrung. Zum Schulalltag gehört auch ein gemeinsames Mittagessen. In der “Schule unterm Kirchturm” lernen behinderte und nichtbehinderte Kinder gemeinsam, jedoch mit unterschiedlichen Lerninhalten. Aufgenommen werden auch Jungen und Mädchen aus konfessionslosen Familien und Familien anderer Religionen. Voraussetzung ist die Teilnahme am Religionsunterricht. Um die Schülerzahlen macht sich die Schulstiftung auf Grund der Erfahrung der Bugenhagen-Schulen keine Sorgen.

In einem weiteren Stadtteil soll laut Schulstiftung ein weiteres Projekt realisiert werden. Eine Kirchengemeinde zeigt Interesse.

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